Was unterscheidet Leichtbauschornstein und massive Schornsteinlösung?
Ein Leichtbauschornstein für den Innenbereich besteht meist aus einem geprüften Schachtsystem aus nicht brennbaren Brandschutzplatten, in dem eine geeignete Abgasleitung geführt wird. Abhängig vom System kommen beispielsweise Calciumsilikat- oder Vermiculitplatten zum Einsatz. Die einzelnen Schachtelemente werden auf der Baustelle zusammengesetzt.
Bei einer massiveren Lösung werden dagegen Mantelsteine aus Leichtbeton oder andere dafür vorgesehene Schornsteinbauteile verwendet. Moderne Systeme bestehen häufig aus mehreren funktionalen Schichten. Neben dem Mantelstein können etwa ein keramisches Innenrohr, Dämmung und Hinterlüftungsbereiche vorhanden sein.
Der Begriff „gemauerter Schacht“ kann deshalb etwas irreführend sein. Bei einer heutigen Neuerrichtung innerhalb eines Bestandsgebäudes wird nicht zwangsläufig ein traditioneller Ziegelschornstein Stein für Stein gemauert. Häufig kommen geprüfte Systemschornsteine mit vorgefertigten Mantelsteinen zum Einsatz.
Kriterium |
Leichtbauschornstein |
Massive Systembauweise |
|---|---|---|
Eigengewicht |
vergleichsweise gering |
deutlich höher |
Platzbedarf |
häufig kompakt |
meist größer |
Montage |
trockene beziehungsweise klebe- und steckbasierte Systemmontage möglich |
Aufbau aus Mantelsteinen und weiteren Systemkomponenten |
Eingriff in vorhandene Decken |
oft einfacher planbar |
Tragfähigkeit besonders relevant |
Gestaltung der Oberfläche |
kann anschließend verputzt oder passend verkleidet werden |
klassische massive Oberfläche möglich |
Einsatz im Bestand |
besonders interessant bei begrenzten Reserven |
gut möglich, wenn Konstruktion und Platz passen |
Brandschutz |
abhängig von geprüftem System und Einbausituation |
abhängig von System, Ausführung und Einbausituation |
Die Tabelle zeigt bereits den wichtigsten Punkt: Der Unterschied liegt nicht nur im verwendeten Material. Gewicht und Abmessungen beeinflussen direkt, wie aufwendig die Nachrüstung im vorhandenen Gebäude wird.
Warum Leichtbauschornsteine bei Nachrüstungen oft interessant sind
Bei einem Neubau lässt sich ein massiver Schornstein früh in Grundriss, Geschossdecken und Fundamentierung einplanen. In einem bestehenden Gebäude fehlen diese Möglichkeiten häufig. Genau hier kann eine leichte Schachtkonstruktion Vorteile bieten.
Weniger Gewicht auf vorhandenen Bauteilen
Massive Schornsteinsysteme können erhebliche Lasten erzeugen. Je nach Abmessungen und Bauart kommen pro laufendem Meter schnell viele Kilogramm zusammen. Über mehrere Geschosse entsteht daraus eine Last, die bei der Planung berücksichtigt werden muss.
Ein Leichtbausystem reduziert dieses Problem deutlich. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Frage der Tragfähigkeit entfällt. Auch ein leichter Schornstein benötigt einen geeigneten Untergrund und eine fachgerecht geplante Befestigung beziehungsweise Abstützung.
Gerade bei Gebäuden mit Holzbalkendecken kann das geringere Gewicht die Planung jedoch erheblich erleichtern.
Kleine Querschnitte helfen bei engen Grundrissen
In älteren Häusern muss ein neuer Schornstein oft zwischen Treppe, Innenwänden, Möbeln und vorhandenen Installationen seinen Weg bis zum Dach finden. Einige Zentimeter Unterschied beim Außenmaß können dann entscheidend sein.
Leichtbauschächte sind für solche Situationen häufig kompakt ausgeführt. Trotzdem darf der Schacht nicht einfach möglichst klein gewählt werden. Das Innenmaß richtet sich nach der vorgesehenen Abgasleitung und dem geprüften Systemaufbau.
Auch der notwendige Schornsteinquerschnitt selbst muss zur Feuerstätte und zur wirksamen Höhe der Anlage passen.
Trockenere Montage kann den Umbau vereinfachen
Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der Montageweise. Viele Leichtbauschächte werden aus vorgefertigten Plattenelementen zusammengesetzt und mit dafür vorgesehenen Verbindungssystemen verarbeitet.
Das kann insbesondere bei einer bewohnten Immobilie praktisch sein, weil weniger massive Bauteile eingebracht werden müssen. Deckendurchbrüche und Dacharbeiten verschwinden dadurch allerdings nicht. Der Schornstein muss schließlich vom Anschlussbereich bis zur vorgesehenen Mündung geführt werden.
Wann ein massiver Schornstein trotzdem die bessere Lösung sein kann
Leichtbau ist im Bestand keineswegs automatisch die beste Wahl. Steht ausreichend Fläche zur Verfügung und lässt sich die Konstruktion statisch sinnvoll abfangen, kann ein massives System ebenfalls gut passen.
Moderne Keramikschornsteine mit Mantelsteinen sind als vollständige Systeme aufgebaut. Sie können beispielsweise Dämmung, Hinterlüftung oder Verbrennungsluftführung integrieren. Je nach Ausführung lassen sich dadurch unterschiedliche Feuerstätten und Betriebsweisen abdecken.
Ein massiver Systemschornstein kommt besonders infrage, wenn:
- der Schornstein auf einer ausreichend tragfähigen Konstruktion beginnen kann,
- im Grundriss genügend Platz vorhanden ist,
- größere Deckendurchbrüche baulich problemlos möglich sind,
- ohnehin umfangreiche Umbauarbeiten stattfinden,
- ein entsprechendes Luft-Abgas-System benötigt wird oder
- die Eigenschaften des gewählten Systems besonders gut zur geplanten Feuerstätte passen.
Das höhere Gewicht muss dabei von Anfang an berücksichtigt werden. Ein solches System einfach auf eine vorhandene Geschossdecke zu setzen, ohne deren Tragfähigkeit zu kennen, wäre keine vernünftige Planung.
Ebenso wichtig ist der Platzbedarf. Ein Schornstein durchquert unter Umständen mehrere Etagen. Was im Erdgeschoss problemlos neben einer Wand funktioniert, kann eine Etage höher genau dort liegen, wo sich eine Tür, ein Balken, eine Wasserleitung oder ein Badezimmer befindet.
Deshalb sollte der komplette Verlauf bis zum Dach betrachtet werden – nicht nur der Anschluss hinter dem Ofen.
Brandschutz und Abgasführung entscheiden mehr als das Material
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, nur zwischen „leicht“ und „massiv“ zu vergleichen. Baurechtlich und technisch zählt jedoch die fertige Abgasanlage mit ihren nachgewiesenen Eigenschaften.
DIN 18160-1 behandelt die Planung und Ausführung von Abgasanlagen und bezieht dabei auch Schächte für Abgasanlagen ein. Zusätzlich gelten die jeweiligen landesrechtlichen Vorschriften, insbesondere die Feuerungsverordnung des betreffenden Bundeslandes.
Bei der Planung sind unter anderem folgende Punkte zu klären:
-
Welche Feuerstätte soll angeschlossen werden?
Brennstoff, Abgastemperatur, notwendiger Förderdruck und Betriebsweise beeinflussen die Anforderungen an den Schornstein. -
Welche Klassifizierung besitzt das vorgesehene System?
Temperatur-, Druck-, Kondensat-, Korrosions- und Rußbrandbeständigkeit müssen zur Nutzung passen. -
Welche Abstände zu brennbaren Baustoffen sind einzuhalten?
Besonders relevant wird das bei Holzbalkendecken, Dachkonstruktionen und Holzständerwänden. Maßgeblich sind die jeweilige Konstruktion und die nachgewiesenen beziehungsweise vorgeschriebenen Abstände. -
Wie werden Geschossdecken durchquert?
Eine Deckendurchführung ist nicht einfach nur ein Loch im Boden. Brandschutzanforderungen und mögliche brennbare Bauteile müssen berücksichtigt werden. -
Wie wird das Dach durchdrungen?
Neben Brandschutz spielen Abdichtung, konstruktive Befestigung und die Höhe des Schornsteins oberhalb des Daches eine Rolle.
Hinzu kommt die Position der Mündung. Für Feuerstätten für feste Brennstoffe gelten Vorgaben dafür, wo die Abgase über Dach abgeführt werden müssen. Dadurch kann der Teil des Schornsteins oberhalb der Dachfläche höher ausfallen als zunächst erwartet.
Eine große freie Länge oberhalb des Daches wiederum beeinflusst die statische Ausführung. Je nach System können zusätzliche Befestigungen oder konstruktive Maßnahmen erforderlich sein.
So findest du die passende Lösung für dein Bestandsgebäude
Die Entscheidung sollte nicht mit der Frage beginnen, welches System günstiger oder schmaler ist. Sinnvoller ist es, zuerst einen möglichen Schornsteinweg durch das Gebäude festzulegen.
Prüfe dabei Etage für Etage:
- Wo kann der Schornstein neben der geplanten Feuerstätte beginnen?
- Was befindet sich direkt darüber?
- Gibt es Holzbalkendecken?
- Wo verlaufen Wasser-, Heizungs- oder Elektroleitungen?
- Welche Räume werden durchquert?
- Kann der Schornstein möglichst gerade geführt werden?
- Wo trifft er auf die Dachkonstruktion?
- Wie hoch muss die Mündung anschließend über das Dach geführt werden?
Ein Beispiel zeigt, warum diese Betrachtung wichtig ist: In einem zweigeschossigen Altbau soll im Erdgeschoss ein Kaminofen nachgerüstet werden. Direkt darüber befindet sich ein Schlafzimmer mit Holzbalkendecke. Der vorgesehene Schornsteinweg liegt außerdem nahe einer Innenwand.
Hier kann ein kompakter Leichtbauschacht wegen seines geringen Gewichts und der kleineren Außenabmessungen interessant sein. Befindet sich dagegen an derselben Stelle bereits ein ausreichend tragfähiger Bereich und wird das Haus ohnehin grundlegend saniert, kann auch ein massiver Systemschornstein problemlos infrage kommen.
Der zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger sollte deshalb möglichst vor dem Kauf von Schornstein und Feuerstätte in die Planung einbezogen werden. So können Schornsteinquerschnitt, Verlauf, Mündung und Brandschutz bereits geklärt werden, bevor Decken oder Dach geöffnet werden.
Welche Bauweise im Bestand sinnvoller ist
Bei einer reinen Nachrüstung hat ein Leichtbauschornstein häufig praktische Vorteile: Er benötigt vergleichsweise wenig Platz, bringt weniger Gewicht in die vorhandene Konstruktion ein und lässt sich oft leichter durch mehrere Etagen führen. Das macht ihn besonders für Gebäude interessant, deren Grundriss ursprünglich keinen zusätzlichen Schornstein vorsah.
Ein massiver Systemschornstein bleibt dennoch eine sinnvolle Alternative, wenn ausreichend Platz und eine geeignete tragende Basis vorhanden sind oder größere Umbauarbeiten ohnehin anstehen. Entscheidend ist am Ende nicht die Bezeichnung der Bauweise, sondern ob Schornstein, Feuerstätte, Gebäudekonstruktion und Brandschutz zusammenpassen. Genau diese Punkte sollten vor Beginn der Arbeiten gemeinsam betrachtet werden.






