Wann ein Edelstahlschornstein innerhalb des Gebäudes einen Schacht braucht
Bei einem außenliegenden Edelstahlschornstein befindet sich ein großer Teil der Anlage außerhalb des Gebäudes. Bei einer innenliegenden Führung sieht die Situation anders aus: Der Schornstein kann mehrere Geschosse durchqueren und damit unterschiedliche Brandabschnitte miteinander verbinden.
Genau hier setzen die brandschutzrechtlichen Anforderungen an.
Für Abgasanlagen und Schornsteine, die innerhalb eines Gebäudes mehrere Geschosse überbrücken, können deshalb Schachtlösungen beziehungsweise Konstruktionen mit einer festgelegten Feuerwiderstandsdauer erforderlich sein. Welche Vorgaben im Einzelfall gelten, richtet sich unter anderem nach:
- der Gebäudeklasse
- der Zahl der durchquerten Geschosse
- der Nutzung des Gebäudes
- der Art der Feuerstätte
- dem verwendeten Abgassystem
- dessen Feuerwiderstand und Zulassung
- der jeweiligen Feuerungsverordnung des Bundeslandes
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem eigentlichen Edelstahl-Schornsteinsystem und dem umgebenden Schacht. Ein wärmegedämmter, doppelwandiger Edelstahlschornstein besitzt zwar definierte Brandschutzeigenschaften. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass er ohne weitere Maßnahmen offen durch mehrere Geschosse geführt werden darf.
Eine verbreitete Lösung ist deshalb ein zugelassenes Leichtbauschachtsystem aus nichtbrennbaren Brandschutzplatten. Darin verläuft die eigentliche Abgasführung. Solche Systeme können beispielsweise für eine Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten ausgelegt sein.
Bei Gebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2 können teilweise geringere Anforderungen oder Ausnahmen gelten. Diese sollten allerdings nie allein anhand der Zahl der Stockwerke angenommen werden. Entscheidend ist die tatsächliche baurechtliche Einstufung des Gebäudes.
Ein weiterer Punkt wird bei der Planung gern vergessen: Ein Schacht für eine Abgasleitung ist kein praktischer Installationskanal für Stromleitungen, Netzwerk, Wasserrohre oder andere Haustechnik. Seine Nutzung ist brandschutztechnisch klar begrenzt.
Deckendurchführungen müssen zum gesamten Schornsteinsystem passen
Die Geschossdecke ist eine der entscheidenden Stellen einer innenliegenden Schornsteinführung. Dort treffen hohe Temperaturen, unterschiedliche Baustoffe und gegebenenfalls eine brandschutztechnisch klassifizierte Decke aufeinander.
Einfach ein rundes Loch in die Decke zu schneiden und das Edelstahlrohr hindurchzuführen, ist daher keine fachgerechte Lösung.
Besondere Aufmerksamkeit brauchen Decken aus oder mit brennbaren Materialien, beispielsweise:
- Holzbalkendecken
- Holzständerkonstruktionen
- Decken mit OSB-Platten
- Holzwerkstoffplatten
- Dämmstoffe mit brennbaren Bestandteilen
- abgehängte Konstruktionen mit verdeckten Holzteilen
Hier müssen die erforderlichen Abstände des Schornsteinsystems auch innerhalb des Deckenaufbaus eingehalten werden. Problematisch sind gerade verdeckte Bauteile: Ein Holzbalken kann hinter einer Gipskartonplatte liegen und von unten zunächst gar nicht sichtbar sein.
Für solche Situationen gibt es geprüfte Wand-, Decken- und Dachdurchführungen. Sie bestehen beispielsweise aus nichtbrennbaren Dämm- und Brandschutzmaterialien und schaffen einen definierten Bereich zwischen heißer Abgasführung und angrenzenden Bauteilen.
Welche Durchführung verwendet werden kann, hängt vom jeweiligen System ab. Entscheidend sind unter anderem die Temperaturklasse, der Rohrdurchmesser und die geprüften Einbaubedingungen.
Tragende Balken nicht einfach aussparen
Gerade im Altbau kann der geplante Schornstein genau dort verlaufen, wo ein Deckenbalken sitzt. Ihn für die Rohrdurchführung einzukerben oder teilweise zu entfernen, ist keine improvisierbare Lösung.
Dann gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:
- Der Schornsteinverlauf wird verschoben.
- Die Konstruktion wird statisch fachgerecht abgefangen.
- Es wird ein anderer geeigneter Verlauf geplant.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der Deckenkonstruktion ab. Vor Kernbohrungen oder größeren Deckenausschnitten sollte daher geklärt sein, ob tragende Bauteile, Leitungen oder Fußbodenheizungen betroffen sind.
Abstand zu Holz und anderen brennbaren Baustoffen richtig bestimmen
Bei Edelstahlschornsteinen kursieren häufig feste Angaben wie „5 cm Abstand reichen“ oder „doppelwandig braucht 10 cm“. Solche Faustwerte sind für die konkrete Planung ungeeignet.
Der erforderliche Abstand wird durch das geprüfte Schornsteinsystem bestimmt.
Auf dem Typenschild beziehungsweise in der Leistungserklärung findet sich dafür eine Klassifizierung. Bei rußbrandbeständigen Anlagen enthält diese häufig eine Kennzeichnung nach dem Schema „Gxx“. Die Zahl beschreibt den geprüften Mindestabstand zu brennbaren Baustoffen unter den dafür festgelegten Bedingungen.
Ein Beispiel: Eine Kennzeichnung G100 kann einen Abstand von 100 Millimetern zu brennbaren Bauteilen vorgeben. Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, dass dieser Wert für jedes Edelstahl-Schornsteinsystem gilt.
Bereich |
Was bei der Planung geprüft werden sollte |
|---|---|
Holzwand |
Systemabstand zwischen Schornstein und brennbarem Bauteil |
Holzbalkendecke |
Abstand auch zu verdeckten Balken und Holzwerkstoffen |
Dachkonstruktion |
Abstand zu Sparren, Unterspannbahn, Dämmung und Schalung |
Schacht |
Zulässiger Aufbau und erforderliche Feuerwiderstandsdauer |
Durchführung |
Freigegebene Einbaumaße des verwendeten Brandschutzsystems |
Besondere Vorsicht ist bei nachträglicher Dämmung geboten. Ein ursprünglich ausreichend großer Abstand kann später unbeabsichtigt ausgefüllt werden, beispielsweise mit Dämmstoff oder Montageschaum.
Auch nicht jeder nichtbrennbare Dämmstoff darf beliebig in einen vorgeschriebenen Abstand eingebracht werden. Manche geprüften Systeme verlangen ausdrücklich einen freien beziehungsweise hinterlüfteten Abstand, andere arbeiten mit speziellen Dämmschalen oder Brandschutzdurchführungen.
Deshalb sollten weder Steinwolle noch andere Baustoffe auf Verdacht rund um das Rohr gestopft werden. Der Aufbau muss der vorgesehenen Konstruktion des jeweiligen Systems entsprechen.
Von der Feuerstätte bis übers Dach: den Verlauf als Ganzes planen
Eine innenliegende Schornsteinführung sollte möglichst geradlinig verlaufen. Das erleichtert nicht nur die Montage, sondern verbessert in vielen Fällen auch die Strömungsverhältnisse und die spätere Reinigung.
Bereits vor dem ersten Deckendurchbruch sollten daher mehrere Punkte geklärt sein.
1. Position der Feuerstätte
Der Anschluss des Kaminofens bestimmt den Ausgangspunkt. Dabei müssen auch die Anforderungen an Rauchrohr, Wandabstände und Bedienfläche berücksichtigt werden.
2. Verlauf durch die Geschosse
Ideal ist eine möglichst senkrechte Achse. Jeder notwendige Versatz muss technisch mit dem gewählten System realisierbar sein und kann zusätzliche Halterungen oder Reinigungsmöglichkeiten erforderlich machen.
3. Position der Reinigungsöffnungen
Ein Schornstein muss überprüft und gereinigt werden können. Reinigungsöffnungen dürfen deshalb nicht später hinter Einbauschränken, Trockenbau oder fest montierten Möbeln verschwinden.
4. Durchgang durch das Dach
Im Dachbereich treffen Schornstein, Wärmedämmung, Luftdichtheitsebene und Dachabdichtung zusammen. Neben dem Brandschutz müssen deshalb auch Feuchte- und Gebäudeschutz berücksichtigt werden.
5. Höhe der Mündung
Der Schornstein endet nicht automatisch wenige Zentimeter oberhalb der Dachhaut. Für die erforderliche Mündungshöhe gelten Vorgaben, die unter anderem von Dachform, Dachneigung, Lage der Feuerstätte und Umgebung abhängen können.
Hinzu kommt die Statik des Schornsteins oberhalb des Daches. Wird ein großer Abschnitt frei über Dach geführt, können zusätzliche Befestigungen oder Abspannungen notwendig werden.
Was vor dem Einbau geklärt sein sollte
Bei einer Schornsteinführung durch mehrere Geschosse greifen verschiedene Anforderungen ineinander. Eine Änderung an einer Stelle kann deshalb Folgen für den gesamten Verlauf haben.
Vor der Ausführung sollten mindestens diese Punkte feststehen:
- genauer Typ und Leistung der Feuerstätte
- erforderlicher Schornsteinquerschnitt
- geeignetes und zugelassenes Schornsteinsystem
- Gebäudeklasse
- Verlauf durch sämtliche Geschosse
- Aufbau der betroffenen Decken
- Lage tragender Balken
- vorhandene brennbare Baustoffe
- erforderliche Schachtkonstruktion
- notwendige Brandschutzdurchführungen
- Position der Reinigungsöffnungen
- Dachaufbau und Dachdurchführung
- erforderliche Mündungshöhe
- Befestigung und Standsicherheit oberhalb des Daches
Sinnvoll ist, diese Punkte mit dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger zu klären, bevor Kernbohrungen, Deckenausschnitte oder Trockenbauarbeiten beginnen.
Das spart vor allem dann Ärger, wenn eine geplante Rohrposition aufgrund eines Holzbalkens verschoben werden muss oder ein zunächst vorgesehener Schacht die erforderliche brandschutztechnische Einstufung nicht besitzt.
Gute Planung beginnt unterhalb der ersten Decke
Ein innenliegender Edelstahlschornstein ist grundsätzlich machbar, verlangt aber mehr Planung als eine reine Rohrführung durch das Dach. Besonders wichtig sind die Geschossübergänge. Dort muss sichergestellt sein, dass Decken, Holzbalken und andere brennbare Bauteile ausreichend geschützt bleiben und die brandschutztechnische Trennung des Gebäudes erhalten wird.
Pauschale Abstandsangaben helfen dabei nur begrenzt. Entscheidend sind die Einstufung des Gebäudes, die Vorgaben der jeweiligen Landesregelungen sowie die Zulassung und Montageanleitung des verwendeten Schornsteinsystems. Wird der komplette Verlauf vor Beginn der Bauarbeiten abgestimmt, lassen sich Schacht, Deckenausschnitte, Reinigungszugänge und Dachführung von Anfang an passend ausführen.







