Warum der Weg zum Schornstein Teil der Planung ist
Schornsteinfegerarbeiten sind keine einmalige Angelegenheit. Abhängig von Feuerstätte und Anlage stehen wiederkehrende Kehr-, Prüf- oder Messarbeiten an. Der betreffende Bereich muss deshalb nicht nur während der Bauphase erreichbar sein, sondern langfristig.
Dabei geht es um zwei verschiedene Bereiche:
- den Zugang vom Gebäude beziehungsweise Dachraum auf das Dach,
- den Verkehrsweg auf der Dachfläche bis zur erforderlichen Arbeitsposition.
Ein normales Dachfenster an irgendeiner Stelle des Daches löst das Problem daher nicht automatisch. Liegt der Schornstein mehrere Meter entfernt oder muss auf einer steilen Dachfläche ohne geeignete Tritte gegangen werden, kann der Zugang trotzdem ungeeignet sein.
Auch die Vorstellung, bei jedem Termin einfach eine Leiter von außen anzustellen, greift zu kurz. Welche Zugangslösung vertretbar ist, hängt von der konkreten Gebäude- und Dachsituation ab. Bei regelmäßig notwendigen Arbeiten sind dauerhaft vorgesehene Einrichtungen häufig die praktischere Lösung.
Für Bauherren bedeutet das: Die Erreichbarkeit sollte ebenso selbstverständlich in die Planung einfließen wie Dachdurchführung, Schornsteinhöhe oder Anschluss der Feuerstätte.
Welche Einrichtungen auf geneigten Dächern infrage kommen
Welche Lösung benötigt wird, lässt sich nicht allein anhand der Gebäudehöhe bestimmen. Entscheidend sind unter anderem Dachneigung, Dachdeckung, Lage des Schornsteins und Länge des zurückzulegenden Weges.
Bei stärker geneigten Dächern werden sichere Verkehrswege beispielsweise über Laufstege, Trittflächen, Einzeltritte oder dafür geeignete fest installierte Leitern hergestellt. Dabei handelt es sich um Bauteile, die gezielt für Arbeiten auf Dachflächen vorgesehen sind.
Eine grobe Einordnung:
Einrichtung |
Sinnvoller Einsatz |
|---|---|
Dachausstieg |
Zugang vom Dachraum direkt auf die Dachfläche |
Trittfläche |
größere sichere Position an Übergängen oder kurzen Wegabschnitten |
Einzeltritte |
schrittweise Fortbewegung auf geneigten Dachflächen |
Laufsteg |
zusammenhängender Verkehrsweg entlang der Dachfläche |
fest installierte Dachleiter |
Zugang über stärker geneigte oder längere Dachbereiche |
Standfläche |
Bereich, von dem notwendige Arbeiten am Schornstein ausgeführt werden können |
Bei Dachneigungen von mehr als 20 Grad müssen für entsprechende Verkehrswege auf dem Dach geeignete Einrichtungen vorgesehen werden. Für Trittflächen, Laufstege und Einzeltritte gelten zudem Anforderungen an Anordnung, Neigung und Abstände.
So müssen einzelne Trittflächen beispielsweise so angeordnet sein, dass daraus ein tatsächlich nutzbarer Weg entsteht. Große Lücken zwischen mehreren Tritten helfen wenig, wenn sie nur mit riskanten Schritten überwunden werden können.
Bei Dachneigungen von über 45 Grad werden die zulässigen Abstände bestimmter Trittflächen nochmals kleiner. Je steiler das Dach, desto wichtiger wird deshalb eine durchgehende Planung des gesamten Weges.
Dachausstieg und Schornstein sinnvoll zueinander positionieren
Eine der wirksamsten Planungsentscheidungen ist oft überraschend einfach: Den Dachausstieg möglichst günstig zum Schornstein anordnen.
Ein Dachausstieg unmittelbar in der Nähe des benötigten Arbeitsbereichs kann einen langen Verkehrsweg über die Dachfläche vermeiden. Das reduziert nicht nur den Materialbedarf für Tritte oder Laufstege, sondern erleichtert spätere Arbeiten erheblich.
Allerdings sollte nicht jedes handelsübliche Dachfenster automatisch als geeigneter Schornsteinfegerausstieg betrachtet werden. Relevant sind unter anderem ausreichend nutzbare Durchstiegsmaße, die Konstruktion der Öffnung und eine sichere Möglichkeit, auf die Dachfläche zu gelangen.
Seit 2025 gibt es zudem ein Prüfverfahren für speziell für Schornsteinfegerarbeiten vorgesehene Dachausstiegsfenster. Bei entsprechend geprüften Produkten werden unter anderem Durchstiegsmaße und Belastbarkeit der relevanten Bauteile betrachtet. Eine solche Kennzeichnung kann die Produktauswahl erleichtern, ersetzt aber nicht die Planung der gesamten Zuwegung.
Direkt vor einem Ausstieg sollte außerdem ein sicher nutzbarer Bereich vorhanden sein. Niemand sollte beim Durchsteigen erst nach einem weit entfernten Tritt suchen oder sich zwischen Fensterflügel und Dachdeckung hindurchdrehen müssen.
Ein sinnvoller Planungsablauf sieht beispielsweise so aus:
- Position des Schornsteins festlegen.
- Notwendige Arbeitsbereiche am Schornstein bestimmen.
- Geeigneten Zugang zum Dach auswählen.
- Verkehrsweg vom Ausstieg zur Arbeitsposition planen.
- Tritte, Laufstege und gegebenenfalls Standflächen in die Dachplanung integrieren.
- Ausführung vor der endgültigen Bestellung mit den beteiligten Fachleuten abstimmen.
Gerade bei einem Neubau lässt sich auf diese Weise häufig eine deutlich einfachere Lösung erreichen als durch spätere Nachrüstung.
Standfläche und Arbeitsbereich am Schornstein nicht vergessen
Ein sicherer Weg endet nicht automatisch an einer geeigneten Arbeitsposition. Am Schornstein muss genügend Platz vorhanden sein, damit die vorgesehenen Tätigkeiten durchgeführt werden können.
Das betrifft beispielsweise Arbeiten an einer oberen Reinigungsöffnung oder an der Schornsteinmündung. Welche Einrichtung dafür erforderlich ist, hängt von der Konstruktion des Schornsteins und davon ab, an welcher Stelle die Arbeiten ausgeführt werden.
Eine Standfläche sollte dabei nicht improvisiert werden. Ein schmaler Dachziegel, die Kante eines Dachfensters oder eine zufällig erreichbare Stelle der Dachkonstruktion sind kein Ersatz für eine dafür vorgesehene Einrichtung.
Bei der Planung sollten deshalb folgende Fragen geklärt werden:
- Von welcher Position aus wird der Schornstein gereinigt?
- Muss die Schornsteinmündung erreicht werden?
- Gibt es eine Reinigungsöffnung innerhalb des Gebäudes?
- Wie weit liegt der Arbeitsbereich vom Dachausstieg entfernt?
- Welche Dachneigung muss überwunden werden?
- Sind Dachbereiche vorhanden, die nicht sicher betreten werden können?
- Liegen Solarmodule, Dachfenster oder andere Einbauten im geplanten Verkehrsweg?
Gerade der letzte Punkt wird heute wichtiger. Photovoltaikanlagen beanspruchen häufig große Teile der Dachfläche. Werden zuerst möglichst viele Module eingeplant und erst danach die Erreichbarkeit des Schornsteins betrachtet, bleibt möglicherweise nur ein ungünstiger Zugangskorridor.
Deshalb sollten Dachtechnik, Photovoltaik und Schornsteinzugang nicht getrennt voneinander geplant werden.
Flachdächer brauchen ebenfalls einen sicheren Zugang
Bei einem Flachdach fällt der klassische Weg über Dachtritte zwar häufig weg, damit ist das Thema aber nicht erledigt.
Auch dort können Absturzkanten, Lichtkuppeln, nicht durchtrittsichere Dachbereiche oder andere Gefahren vorhanden sein. Entscheidend ist daher, ob der Schornstein über einen sicheren Verkehrsweg erreicht und die notwendige Arbeit ohne vermeidbare Absturzgefährdung ausgeführt werden kann.
Besonders ungünstig ist beispielsweise eine Zugangsluke unmittelbar an einer ungesicherten Dachkante. Auch das Aufstellen einer Leiter auf einem Flachdach kann zusätzliche Risiken erzeugen, wenn zur Dachkante kein ausreichender sicherer Bereich vorhanden ist.
Die geringe Dachneigung allein sagt daher wenig darüber aus, wie gut der Arbeitsplatz erreichbar ist.
Früh abstimmen statt später nachrüsten
Die passende Lösung entsteht meist nicht durch ein einzelnes Bauteil, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Gewerke. Schornsteinbauer, Dachdecker, Planer und Schornsteinfeger betrachten das Dach jeweils aus einer anderen Perspektive.
Deshalb lohnt es sich, die geplante Situation früh abzustimmen.
Besonders wichtig ist das bei:
- Neubauten,
- neuen Außenschornsteinen,
- Dachsanierungen,
- Änderungen der Dachneigung,
- nachträglich ausgebauten Dachgeschossen,
- neuen Photovoltaikanlagen,
- dem Versetzen oder Entfernen von Dachfenstern.
Ein Beispiel zeigt das Problem: Bei einer Dachsanierung wird ein alter Ausstieg entfernt und durch ein normales Dachfenster an anderer Stelle ersetzt. Der Schornstein bleibt unverändert. Technisch funktioniert die Abgasanlage weiterhin, der bisherige kurze Zugang ist jedoch verschwunden. Nun müssen möglicherweise mehrere Meter Dachfläche zusätzlich überwunden werden.
Was bei der Dachplanung wie eine kleine Änderung wirkt, kann damit neue Tritt- oder Laufwege erforderlich machen.
Ähnliches gilt für Photovoltaik. Wird der bisherige Weg zum Schornstein mit Modulen belegt, kann die regelmäßige Zugänglichkeit erschwert werden. Ein freier Korridor sollte daher bereits im Belegungsplan berücksichtigt werden.
Für bestehende Gebäude ist eine Nachrüstung grundsätzlich möglich. Sie kann allerdings Eingriffe in die Dachdeckung und zusätzliche Befestigungen erforderlich machen. Je früher die notwendigen Einrichtungen bekannt sind, desto sauberer lassen sie sich konstruktiv integrieren.
Gute Planung erspart spätere Improvisation
Ein Schornstein muss nicht nur gebaut, sondern über viele Jahre regelmäßig erreicht werden können. Deshalb sollte der spätere Arbeitsweg bereits feststehen, bevor Dachdeckung, Dachfenster oder Photovoltaikanlage endgültig geplant sind.
Welche Einrichtungen notwendig sind, hängt stark vom einzelnen Gebäude ab. Dachneigung, Schornsteinposition, Zugangsmöglichkeiten und mögliche Absturzkanten spielen dabei zusammen. Eine pauschale Lösung für jedes Dach gibt es nicht.
Besonders sinnvoll ist eine kurze Abstimmung vor Baubeginn oder Dachsanierung. Wenn Ausstieg, Verkehrsweg und Arbeitsbereich von Anfang an mitgedacht werden, lassen sich unnötig lange Wege über das Dach und spätere Nachrüstungen häufig vermeiden.





