Warum ein Holzhaus besondere Anforderungen an die Schornsteinführung stellt
Holz ist als Baustoff nicht grundsätzlich problematisch neben einer Feuerungsanlage. Es muss jedoch verhindert werden, dass angrenzende Bauteile durch den normalen Betrieb oder einen möglichen Rußbrand unzulässig erwärmt werden.
Bei einem Schornstein für feste Brennstoffe kommt ein wichtiger Punkt hinzu: Im Inneren können sich Rußablagerungen bilden. Entzünden diese sich, entstehen erheblich höhere Temperaturen als im gewöhnlichen Heizbetrieb. Ein geeigneter Schornstein muss deshalb für den vorgesehenen Brennstoff und Betriebszustand ausgelegt sein.
Im Holzhaus betrifft der Brandschutz unter anderem:
- tragende Holzständer und Holzbalken
- Brettsperrholz- und Holzrahmenwände
- Holzbalkendecken
- Holzwerkstoffplatten
- Dämmstoffe und Dampfbremsen
- Installations- und Vorsatzebenen
- Dachkonstruktionen aus Sparren und Pfetten
- Fußbodenaufbauten mit brennbaren Bestandteilen
Dabei reicht es nicht, nur sichtbares Holz zu berücksichtigen. Hinter einer Gipsplatte können beispielsweise Holzständer, OSB-Platten oder Dämmstoffe liegen. Genau diese verdeckten Schichten müssen bei der Planung bekannt sein.
Welche Mindestabstände erforderlich sind, ergibt sich aus der zugelassenen beziehungsweise vorgesehenen Konstruktion des konkreten Schornsteinsystems und den ergänzend geltenden baurechtlichen Anforderungen. Werte eines anderen Schornsteins lassen sich daher nicht einfach übertragen.
Schacht und Schornsteinsystem müssen zusammen gedacht werden
Führt eine Abgasanlage durch mehrere Geschosse, spielt neben dem Abstand zu brennbaren Baustoffen auch die Verhinderung einer Brandübertragung zwischen den Geschossen eine Rolle.
Bei Schornsteinen können dafür beispielsweise Konstruktionen verwendet werden, die selbst den erforderlichen Feuerwiderstand besitzen, oder Systeme, die innerhalb eines dafür geeigneten durchgehenden Schachts geführt werden. Welche Variante benötigt wird, hängt unter anderem vom Gebäude, der Gebäudeklasse und der jeweiligen landesrechtlichen Regelung ab.
Ein Schacht ist deshalb nicht einfach eine dekorative Verkleidung um ein Edelstahlrohr. Soll er eine brandschutztechnische Funktion erfüllen, muss die gesamte Konstruktion dafür vorgesehen sein.
Nicht jede Verkleidung ist automatisch ein Brandschutzschacht
Eine selbst gebaute Konstruktion aus Metallprofilen und Bauplatten kann optisch wie ein Schacht wirken, ohne die geforderten Eigenschaften nachzuweisen. Für die Planung sind unter anderem folgende Fragen relevant:
- Welche Feuerwiderstandsdauer wird benötigt?
- Für welche Temperaturklasse ist die Konstruktion vorgesehen?
- Darf das gewählte Abgassystem darin geführt werden?
- Welche Abstände müssen innerhalb oder außerhalb des Schachts eingehalten werden?
- Wie werden Revisions- und Reinigungsöffnungen ausgeführt?
- Welche Bauteile dürfen unmittelbar an den Schacht anschließen?
Hinzu kommt, dass Schächte für Abgasanlagen nicht beliebig als Installationskanal verwendet werden dürfen. Stromleitungen, Wasserleitungen oder andere Installationen neben dem Schornstein können brandschutztechnisch problematisch sein und sollten deshalb nicht ohne abgestimmte Planung durch denselben Bereich geführt werden.
Bei einem Neubau ist es sinnvoll, die benötigte Schachtfläche bereits im Grundriss zu reservieren. Ein später zwischen vorhandenen Holzständern hindurchgeführter Schornstein wirkt auf dem Plan zunächst platzsparend, kann durch erforderliche Abstände aber deutlich mehr Raum beanspruchen als erwartet.
Geschossdurchführungen sind die entscheidenden Detailstellen
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Stellen, an denen der Schornstein eine Holzbalkendecke oder einen anderen brennbaren Deckenaufbau durchdringt.
Hier treffen mehrere Materialien dicht aufeinander. Neben Balken können Estrich, Holzwerkstoffplatten, Dämmung, Unterkonstruktionen und Bodenbeläge vorhanden sein. Wird dieser Bereich ohne passendes Detail geplant, kann sich Wärme stauen.
Der Zwischenraum um den Schornstein darf deshalb nicht einfach mit irgendeinem Dämmstoff ausgestopft werden.
Für Durchführungen durch brennbare Bauteile gibt es je nach Schornsteinsystem und Konstruktion unterschiedliche Lösungen. Dazu gehören beispielsweise geprüfte beziehungsweise bauaufsichtlich vorgesehene Wand-, Decken- und Dachdurchführungselemente. Ihre Konstruktion legt fest, welche Abstände, Dämmstoffe und Einbaubedingungen einzuhalten sind.
Eine sinnvolle Planung betrachtet jede Deckenschicht einzeln:
Bereich |
Was vor der Ausführung geklärt werden sollte |
|---|---|
Tragkonstruktion |
Wo verlaufen Balken, Unterzüge oder tragende Holzplatten? |
Durchführungsöffnung |
Welche Abmessungen benötigt das konkrete Schornsteinsystem? |
Dämmung |
Welcher Dämmstoff darf im Anschlussbereich verwendet werden? |
Luft- und Dampfdichtheit |
Wie wird die Gebäudehülle angeschlossen, ohne die Brandschutzvorgaben zu verletzen? |
Bodenaufbau |
Welche brennbaren Schichten befinden sich oberhalb der Rohdecke? |
Deckenbekleidung |
Wie wird der untere Abschluss ausgeführt? |
Gerade die Luft- und Dampfdichtheit führt im Holzbau gelegentlich zu Zielkonflikten. Einerseits soll die Gebäudehülle möglichst geschlossen ausgeführt werden. Andererseits dürfen Folien, Dichtstoffe oder Dämmmaterialien nicht einfach bis an heiße Bauteile geführt werden, wenn die vorgesehene Konstruktion das nicht erlaubt.
Deshalb sollte der Anschluss nicht erst auf der Baustelle improvisiert werden.
Warum pauschale Abstandswerte problematisch sind
Bei Schornsteinen finden sich Kennzeichnungen, aus denen unter anderem Temperaturklasse, Rußbrandbeständigkeit und erforderlicher Abstand zu brennbaren Baustoffen hervorgehen können. Ein System kann beispielsweise einen deutlich kleineren Abstand erlauben als eine andere Konstruktion.
Hinzu kommen Sonderlösungen für hochgedämmte Wände oder Decken. Eine klassische Prüfung eines Schornsteins bildet nicht automatisch jede moderne Holzbaukonstruktion mit dicken Dämmpaketen ab. Für solche Anwendungen können zusätzliche Nachweise oder speziell dafür vorgesehene Systeme erforderlich sein.
Ein im Datenblatt genannter Abstand ist daher immer im Zusammenhang mit der vollständigen Einbausituation zu betrachten.
Schon im Grundriss entscheidet sich, wie einfach der Brandschutz wird
Der günstigste Schornsteinverlauf ist meist möglichst gerade und mit ausreichendem Abstand zu tragenden Holzbauteilen.
Problematisch wird es beispielsweise, wenn die geplante Achse genau auf einen Deckenbalken trifft. Einen tragenden Balken später einfach auszuschneiden, kommt selbstverständlich nicht infrage. Dann muss entweder die Schornsteinposition verändert oder die Tragkonstruktion statisch angepasst werden.
Deshalb sollten bereits in einer frühen Planungsphase folgende Unterlagen zusammengeführt werden:
-
Grundrisse aller betroffenen Geschosse
-
Balken- beziehungsweise Deckenkonstruktion
-
Dachtragwerk
-
Wandaufbauten mit Dämmstoffdicken
-
geplante Position der Feuerstätte
-
technische Daten des vorgesehenen Schornsteinsystems
- Reinigungs- und Zugänglichkeitspunkte
Besonders hilfreich ist ein vertikaler Schnitt durch das Gebäude. Im Grundriss sieht ein Schornstein oft problemlos aus. Erst im Schnitt wird sichtbar, ob er im nächsten Geschoss mit einem Unterzug, einer Dachpfette oder einer besonders stark gedämmten Dachfläche kollidiert.
Auch die spätere Reinigung sollte berücksichtigt werden. Reinigungsöffnungen müssen erreichbar bleiben. Eine Öffnung hinter einer fest eingebauten Küche oder innerhalb einer nicht zugänglichen Verkleidung ist planerisch keine gute Lösung.
Bei einem geplanten Neubau lohnt sich außerdem eine frühzeitige Abstimmung mit dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger. So können Schornsteinführung, Feuerstätte und bauliche Rahmenbedingungen geprüft werden, bevor Deckenöffnungen oder Schachtmaße endgültig festgelegt sind.
Nachträglicher Schornstein im Holzhaus: innen oder außen?
Bei bestehenden Holzhäusern ist eine Führung innerhalb des Gebäudes nicht immer die einfachste Variante. Jede zusätzliche Decken- und Dachdurchdringung erzeugt eine Detailstelle, die brandschutztechnisch sauber ausgeführt werden muss.
Ein außen an der Fassade geführter doppelwandiger Edelstahlschornstein kann deshalb eine Alternative sein. Auch dabei müssen jedoch Wanddurchführung, Befestigung, Abstände zur Fassade, Dachüberstände und die Mündung des Schornsteins berücksichtigt werden.
Die beiden Varianten unterscheiden sich vor allem in der baulichen Umsetzung:
Innen geführter Schornstein
Kurzer Weg von der Feuerstätte nach oben und meist geschützter Verlauf innerhalb des Gebäudes. Dafür müssen gegebenenfalls mehrere Decken und das Dach fachgerecht durchdrungen werden.
Außen geführter Schornstein
Weniger Durchdringungen innerhalb des Hauses, dafür eine Wanddurchführung sowie eine sichere Befestigung an der Außenwand. Zusätzlich sind Fassadenaufbau und Dachgeometrie relevant.
Welche Lösung sinnvoller ist, lässt sich deshalb nicht allein anhand der Bauart des Hauses entscheiden. Maßgeblich sind Grundriss, Tragwerk, Schornsteinhöhe, Position der Feuerstätte und die technischen Anforderungen des vorgesehenen Systems.
Gute Planung verhindert schwierige Detailstellen
Bei einem Schornstein im Holzhaus entsteht Sicherheit nicht durch einen einzigen Mindestabstand, sondern durch das Zusammenspiel aus geeignetem Schornsteinsystem, korrekter Schachtkonstruktion und sauber geplanten Durchführungen. Besonders Decken, Dach und hochgedämmte Bauteile verdienen früh Aufmerksamkeit.
Wer bereits vor Beginn des Innenausbaus Schornsteinachse, Balkenlage, Wandaufbauten und Systemunterlagen miteinander abgleicht, vermeidet viele spätere Änderungen. Die konkrete Ausführung sollte immer auf das verwendete System sowie die am Bauort geltenden Vorgaben abgestimmt werden. Gerade im Holzbau ist eine geprüfte Anschlusslösung deutlich besser als eine improvisierte Konstruktion auf der Baustelle.






